So berechnen Sie den Gasverbrauch im Wohnmobil

Ohne Gas funktioniert im Reisemobil wenig: Im Sommer ist der Kühlschrank rund um die Uhr in Betrieb und der Grill wird regelmäßig angeworfen. Im Winter läuft die Heizung auf Hochtouren. Wie lange Sie mit Ihrem Gasvorrat auskommen, kann je nach Jahreszeit und Urlaubsort stark variieren. Lesen Sie in unserem Ratgeber, wie Sie Ihren Gasverbrauch im Wohnmobil selbst ermitteln.

Den Gasbedarf berechnen in fünf Schritten

Um Ihren persönlichen Gasbedarf zum Beispiel an einem Sommertag zu berechnen, gehen Sie wie folgt vor:

  1. Notieren Sie, welche gasbetriebenen Geräte Sie an einem Tag nutzen (z. B. Boiler, Herd, Kühlschrank).
  2. Ergänzen Sie, wie lange die Geräte pro Tag im Einsatz sind (z. B. Boiler: 30 Minuten, Herd: 60 Minuten)
  3. Wenn Sie den Gasverbrauch eines Geräts pro Stunde kennen (das steht in der Betriebsanleitung), rechnen Sie aus, wieviel Gas es abhängig von der Betriebsdauer an einem Tag verbraucht (z. B. Boiler Verbrauch: 120 g/h bei Betrieb von 30 Minuten pro Tag: 
  4. 120 : 60 x 30 = 60 g)
  5. Addieren Sie den Gasverbrauch aller Geräte und Sie erhalten den durchschnittlichen Tagesverbrauch im Sommer.
  6. Wollen Sie nun wissen, wie lange Sie mit einer 11 Kilo Gasflasche auskommen, rechnen Sie weiter: Bei einem Verbrauch von 400 g Gas pro Tag teilen Sie das Gesamtgewicht des Gases durch den Tagesverbrauch: 11000 : 400 = 27,5. Ihre 11 Kilo Gasflasche hält also rund 27 Tage.

Die Erfahrung vieler Camper hat gezeigt, dass zwei 11 Kilo Gasflaschen, wie sie in Deutschland üblich sind, im Sommer drei bis vier Wochen halten. Im Winter dagegen bei tiefen Minustemperaturen kann das Gas schon nach weniger als einer Woche zur Neige gehen.

Um den Gasverbrauch für Herbst oder Winter genau zu berechnen, wiederholen Sie die Berechnung für den Gasverbrauch und beziehen dabei die Laufzeit der Heizung mit ein. Beachten Sie, dass die Heizung auf unterschiedlicher Stufe mehr oder weniger Gas verbraucht.

Gasbedarf von äußeren Umständen abhängig

Ob Sie viel Gas benötigen oder mit weniger auskommen, hängt neben dem Wetter und Ihrem Reiseziel von weiteren Faktoren ab, zum Beispiel:

  • der Größe und Isolierung des Reisemobils,
  • der Anzahl der Personen, die mitreisen,
  • der Energieeffizienz der Geräte, die mit Gas betrieben werden,
  • der täglichen Nutzungsdauer der gasbetriebenen Geräte,
  • Ihrer persönlichen Wohlfühltemperatur.

Gasverbrauch von einigen Geräten im Wohnmobil

Die Heizung im Reisemobil verbraucht im Winter bei voller Leistung am meisten Gas. Für den Gasverbrauch wichtiger Geräte im Wohnmobil sehen sie hier ein paar Richtwerte:

  • Heizung (ca. 150 – 500 g/h)
  • Boiler (ca. 120 g/h)
  • Kocher / Herd (ca. 50 – 160 g/h)
  • Ofen (ca. 80 – 120 g/h)
  • Grill (ca. 300 – 400 g/h)
  • Kühlschrank (ca. 14 – 20 g/h)

Wie lange hält eine Gasflasche?


Auch wenn Sie sich harte Fakten erhoffen, lautet die Antwort: Es kommt darauf an!

Wenn Sie keine Lust haben, den Gasverbrauch akribisch zu berechnen, können Sie sich an den Erfahrungen anderer Camper orientieren. Wir haben einige Richtwerte zusammengetragen – allerdings ohne Gewähr, dass diese auch für Ihre Campinggewohnheiten gelten.

Damit Sie beim Camping keine böse Überraschung erleben, ist es sinnvoll, eine Zweiflaschenanlage mit Umschaltautomatik zu verwenden. Sie haben zwei Gasflaschen an Bord, von denen eine Ihre Betriebsflasche ist. Aus dieser wird das Gas für Herd, Heizung und Warmwasser entnommen. Sobald der Druck in dieser Flasche unter einen bestimmten Wert absinkt, schaltet die Gasdruckregelanlage automatisch auf die zweite Flasche um.

Das ist insbesondere dann angenehm, wenn Sie nachts bei Minusgraden in Ihrem kuscheligen Bett liegen und sicher sein können, dass die Heizung zuverlässig bis zum nächsten Morgen und länger läuft. Ohne dass Sie aus dem Tiefschlaf erwachen, weil die Gasflasche leer, die Heizung aus und der Wohnwagen kalt ist und Sie frierend aufstehen müssen, um die Gasflasche zu wechseln.

 So lange kann eine 11 Kilo Gasflasche halten:

Jahreszeit Temperatur  Verbraucher

Dauer

Winter

ca. -15 °C Herd, ggf. Kühlschrank, Heizung, Wasser

ca. 3 – 4 Tage

Winter

ca. 0 °C Herd, ggf. Kühlschrank, Heizung, Wasser

ca. 4 – 5 Tage

Winter

ca. 10 °C Herd, ggf. Kühlschrank, Heizung, Wasser

ca. 7 Tage

Frühjahr / Herbst

ca. 15 °C Herd, ggf. Kühlschrank, Heizung, Wasser

ca. 7 – 9 Tage

Sommer

ca. 25 °C Herd, ggf. Kühlschrank, gelegentlich Heizung, Wasser

ca. 14 Tage

Sommer

ca. 30 °C Herd, ggf. Kühlschrank, Wasser

ca. 21 Tage

Gasvorrat kontrollieren


Damit Sie wissen, wie viel Gas Sie tatsächlich für Warmwasser, Heizen & Co verbraucht haben, können Sie Ihre Gasflaschen wiegen. Das Gewicht einer leeren Flasche ist als Tara gekennzeichnet eingeprägt. Das sind bei einer leeren 11 Kilo Flasche etwas mehr als 11 Kilogramm. Eine volle 11 Kilo Flasche wiegt also rund 22 Kilogramm. Ziehen Sie vom Gewicht der vollen Flasche das auf der Waage angezeigte Gewicht ab, erhalten Sie Ihren Gasverbrauch. Sie wissen auch, wie viel Gas noch in der Flasche übrig ist.

Wenn Sie keine Waage zur Hand haben oder keine schweren Gasflaschen heben wollen, können Sie einen Füllstandsanzeiger verwenden.

Der LevelCheck erkennt mittels Ultraschall, ob sich im Messbereich Gas befindet oder nicht.

Sie halten ihn einfach im 90 Grad Winkel an die Stahl- oder Alu-Gasflasche. Das Ergebnis sehen Sie sofort auf der LED-Anzeige am Messgerät.

Den Truma LevelControl bringen Sie unter der Gasflasche an. Er misst ebenfalls per Ultraschall den Gasfüllstand und gibt zudem an, wie lange das Gas noch ausreicht. Die Daten werden an die Truma iNet Box übermittelt.

Diese sendet sie per Bluetooth oder SMS an Smartphone oder Tablet. In der Truma App können Sie das Ergebnis dann bequem in Prozent oder Kilogramm abrufen.

Gasflaschen in Deutschland und in Europa

Von grau bis rot, von 3 bis 33 Kilo: Camping-Gasflaschen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Wir haben die wichtigsten Merkmale übersichtlich für Sie zusammengefasst.

Die grauen Stahlflaschen mit roter Schutzkappe sind bei Deutschlands Campern am weitesten verbreitet. Sie haben eine Füllmenge von fünf oder elf Kilogramm Flüssiggas. Zum Füllgewicht kommt bei einer elf Kilo Flasche ein Flaschengewicht von elf Kilo hinzu. Somit sind Stahlflaschen relativ schwer.

Alugasflaschen sind deutlich leichter und eine 11-Kilo-Flasche hat ein Leergewicht von rund 5,5 Kilogramm. Auch wenn eine Aluflasche in der Anschaffung mit rund 120 Euro mehr als doppelt so teuer ist wie eine Stahlflasche, kann sich die Anschaffung lohnen. Etwa dann, wenn Ihr Caravan nur eine geringe Zuladung zulässt.

Die grauen Campinggasflaschen sind Eigentumsflaschen, die Sie zum Beispiel im Baumarkt kaufen. Sobald die Flasche leer ist, können Sie sie gegen eine volle Flasche tauschen. Das ist überall dort möglich, wo es graue Gasflaschen gibt – im Baumarkt, dem Supermarkt oder der Tankstelle. Beim Tausch zahlen Sie lediglich die Füllung. Wenn Sie die Flasche nicht mehr benötigen, haben Sie keine Möglichkeit, sie auf die Schnelle im Baumarkt zurückzugeben. Sie können nur versuchen, die Flasche zu verkaufen.

Vom grauen Campinggas unterscheiden sich die roten Pfandflaschen, für die Sie eine Leihgebühr zahlen. Leihflaschen sind herstellergebunden und können nur bei Vertriebspartnern des Herstellers getauscht werden. Ein bekannter Hersteller ist Tyczka Energy. Auch hier gilt das Prinzip leer gegen voll und Sie zahlen nur die Kosten für die Gasfüllung. Die Gasflasche bleibt im Besitz des Herstellers. Wenn Sie die Flasche nicht mehr benötigen, geben Sie die Flasche ab und erhalten das Pfand zurück.

Als Campinggas werden Propan oder Butan verwendet. Beide Gase gehören zur Gruppe der kurzkettigen Kohlenwasserstoffe, die unter dem Oberbegriff Liquefied Petroleum Gas (LPG) zusammengefasst werden. Sie bleiben bei einer geringen Kompression von unter zehn bar flüssig.

Propan kann auch beim Wintercamping bis ca. minus 40 Grad eingesetzt werden. Butan kann bei Temperaturen unter 0 Grad nicht eingesetzt werden, da es dann nicht mehr verdampft.

Leere Gasflaschen können Sie im Campingfachhandel, im Baumarkt, an Tankstellen oder in großen Supermärkten gegen volle Flaschen tauschen. Denken Sie bei der Rückgabe an die rote Schutzkappe – andernfalls kann der Fachhändler die Rücknahme verweigern. Beachten Sie, dass Campinggas, also die grauen Flaschen, am weitesten verbreitet ist und somit überall tauschen lässt. Rote Pfandflaschen können Sie nur bei Vertriebspartnern des jeweiligen Herstellers tauschen. Auch Alu-Gas ist weniger verbreitet, sodass Sie sich im Vorfeld erkundigen sollten, wo Sie Ihre leere Flasche tauschen können. Wenn Sie den Truma LevelControl im Einsatz haben, dürfen Sie nicht vergessen, den Füllstandssensor von der Unterseite der Flasche zu entfernen, bevor Sie die Flasche tauschen.

Füllstationen finden Sie zum Beispiel über diese praktischen Standortsuchen:

www.flaschengas-kaufen.de/Haendler-suchen

http://umkreissuche.alugas.de

Wenn Sie in anderen europäischen Ländern unterwegs sind, erkundigen Sie sich vor Reiseantritt, ob Sie Ihre deutschen Gasflaschen dort befüllen können. Hier kann ein Adapter-Set hilfreich sein, das Sie im Fachhandel für Campingzubehör kaufen können. Damit lassen sich entweder deutsche Flaschen im Ausland befüllen oder die Geräte in Ihrem Reisemobil an ausländische Flaschen anschließen.

Tipps: So sparen Sie Gas


Damit Sie mit einer Gasflasche lange auskommen, versuchen Sie, den Gasverbrauch im Wohnmobil zu senken. Diese Tipps können Ihnen helfen:

  • Lassen Sie Ihr Wohnmobil nie komplett auskühlen. Stellen Sie eine niedrige Heizstufe ein, wenn Sie den Caravan verlassen. Dann muss die Heizung bei Ihrer Rückkehr nicht auf vollen Touren laufen, bis es warm wird.
  • Lüften Sie auch im Winter regelmäßig. Öffnen Sie die Fenster komplett für ein paar Minuten und schließen Sie sie dann wieder. Beim Stoßlüften kühlen die Oberflächen nicht vollständig aus.
  • An Kältebrücken geht viel Heizenergie verloren. Mit Isoliermatten zum Beispiel für das Fahrerhaus beugen Sie dem Wärmeverlust vor und sparen Gas.
  • Lassen Sie im Sommer die Kühlschranktür nicht unnötig lange geöffnet, wenn Sie etwas herausnehmen oder hineinstellen.